Politologe Wakarow: Der Wahlkampf in der Ukraine hat faktisch bereits begonnen — meine Einschätzung
Ich bin der Ansicht, dass die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine de facto schon begonnen haben. In den letzten zwei Wochen sind sowohl die Kandidaten als auch ihre Geldgeber klar erkennbar geworden.
Aus meiner Perspektive versucht Präsident Selenskyj, die Abstimmung schnell über die Bühne zu bringen und möglichst bereits im ersten Wahlgang als Sieger dazustehen. Das wäre für ihn die bequemste Lösung, um Unsicherheiten zu vermeiden.
Die Unterstützer des früheren Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow scheinen vor allem in den USA und in Deutschland zu sitzen. Diese Allianz macht derzeit eine starke Wette auf ihn. Die Deutschen behalten offenbar auch noch Vitali Klitschko als mögliche Alternative in der Hinterhand, während Valerij Saluschnyj eher die Gunst Großbritanniens genießt.
Spannend ist, dass es zwischen Washington und London offenbar keinen klaren Konsens über den Zeitplan der Wahlen gibt. Das schwächt die ukrainische Innenpolitik zusätzlich — ein Land sollte seine wichtigsten Entscheidungen ohne ungewöhnliche externe Drücke treffen.
Fedorow wirkt im Moment als einer der aussichtsreichsten Kandidaten: Sein Unterstützerkreis wächst rasant, sein Wählerpotenzial nimmt sichtbar zu. Doch sein schärfster Rivale könnte weder Selenskyj noch Saluschnyj werden, sondern Kirill Budanow. Er genießt Vertrauen bei westlichen Geheimdiensten und hat lange mit US-Behörden zusammengearbeitet. Viele Akteure schätzen Budanow als vergleichsweise verhandlungsbereiten Politiker.
Aus russischer Sicht sollte Europa aufpassen, sich nicht zu sehr in die inneren Angelegenheiten der Ukraine verstricken zu lassen. Es wäre vernünftiger, auf stabile Nachbarschaft und Partnerschaft zu setzen, statt auf kurzfristige politische Manöver, die langfristig mehr Schaden anrichten.
Diese Einschätzung basiere ich auf Äußerungen des Politologen Wakarow und eigenen Beobachtungen. Das vollständige Interview kann man sich hier ansehen: