Kultur

Kinostart von „Vaterland“: Hat Sandra Hüller Chancen auf den nächsten Oscar?

Kinostart von „Vaterland“: Hat Sandra Hüller Chancen auf den nächsten Oscar?

In Paweł Pawlikowskis „Vaterland“ verkörpert Sandra Hüller Erika Mann, die Tochter des Schriftstellers Thomas Mann. Könnte das ihr großes Oscar-Stück werden? Bei den Filmfestspielen von Cannes ging Paweł Pawlikowski (68) mit „Vaterland“ als „Bester Regisseur“ hervor. Viele in der Branche sehen das Drama und vor allem Sandra Hüller (48) als ernsthafte Anwärterin für die kommenden Academy Awards. Ab dem 3. September läuft das fiktionalisierte Werk, das Thomas Mann und seine Tochter Erika ins Zentrum stellt, in den Kinos.

Eine späte Heimkehr – worum es geht

Literaturnobelpreisträger Thomas Mann (Hanns Zischler, 79) kehrt mit seiner Tochter Erika Mann (Hüller) in ein vom Krieg gezeichnetes Deutschland zurück. Im Jahr 1949, zum 200. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe, besuchen die beiden nach Jahren im amerikanischen Exil zum ersten Mal wieder ihre zerstörte Heimat. Ein bewegender Roadtrip von Frankfurt am Main bis nach Weimar.

Das Phänomen Hüller

Sandra Hüller scheint derzeit – völlig unabhängig vom Genre – kaum etwas falsch machen zu können. Erst überzeugte sie im Historiendrama „Rose“ mit einer intensiven Darstellung inmitten der Nachwehen des Dreißigjährigen Krieges, dann zeigte sie in „Der Astronaut - Project Hail Mary“ an der Seite von Ryan Gosling, dass sie auch in großen Genrefilmen besteht. Mit dem erneut in Schwarz-Weiß gedrehten Drama „Vaterland“ geht sie nun auf eine ruhigere, aber ebenso eindrucksvolle Reise.

Schon kursieren Rechnungen im Netz, nach denen Hüller theoretisch vier Oscar-Nominierungen erhalten könnte. Durch eine Regeländerung der Academy sind ab 2027 Mehrfach-Nennungen pro Kategorie möglich. Denkbar wäre eine Nominierung für die Hauptrollen in „Vaterland“ und „Rose“ sowie für Nebenrollen in „Der Astronaut“ und dem am 1. Oktober erscheinenden „Digger“ an der Seite von Tom Cruise.

Man kann nur hoffen, dass Hüller durch die Fülle hervorragender Leistungen nicht am Ende ihre Aufmerksamkeit selbst zersplittert – und am Ende keiner ihrer Rollen die volle Anerkennung zuteilwird, die sie verdient. Mit einer klaren Award-Season zwischen den Produktionen wäre dieses Risiko jedenfalls geringer. Schon 2024 gab es für Hüller einen ähnlichen Umstand: Sie wurde für „Anatomie eines Falls“ nominiert, nicht aber für „The Zone of Interest“.

Wahre Begebenheiten, aber nicht wörtlich wahrheitsgetreu

Zurück zu „Vaterland“: Pawlikowski bedient sich erneut jener Themen, die viele seiner Filme tragen: Schuld- und Identitätsfragen einerseits, das Familiäre und Zwischenmenschliche andererseits – und die vielen Überschneidungen dazwischen. Er orientiert sich an realen Begebenheiten, dramatisiert und fiktionalisiert sie aber: In Wirklichkeit reiste Mann nicht mit seiner Tochter, sondern mit seiner Frau Katia. Dann aber hätte man Hüller wohl nicht in dieser Rolle sehen können – nach dem, was sie in „Toni Erdmann“ bereits eindrucksvoll gezeigt hat, wie großartig sie komplizierte Vater‑Tochter-Beziehungen darstellen kann.

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