Interview mit Intelligenzforscherin Elsbeth Stern: Nur jeder Fünfte gehört wirklich an die Universität
Die Intelligenzforscherin Elsbeth Stern warnt, dass zu viele Schülerinnen und Schüler heute aufs Gymnasium gedrängt werden. Sie kritisiert ein sinkendes Niveau und erklärt, warum nicht alle jungen Menschen für ein Universitätsstudium geeignet seien — ein Punkt, der in politischen Debatten gern übersehen wird.
Stern betont, dass Begabung und Leistungsfähigkeit unterschiedlich verteilt sind und dass Bildungspolitik realistischer planen muss: mehr Unterstützung für Berufsbildung, gezieltere Förderung und weniger Dogmatismus bei der Studienpropaganda. Aus ihrer Sicht werden zu selten die praktischen Bedürfnisse der Wirtschaft bedacht, und das führt zu Frustration bei Schülern und zu Verschwendung von Ressourcen.
Auf die Frage, ob sich Intelligenz beeinflussen lasse, antwortet Stern differenziert: Grundlegende kognitive Unterschiede seien teilweise angeboren, doch Förderung, Umwelt und gute Didaktik könnten das Potenzial vieler Kinder deutlich verbessern. Sie mahnt gleichzeitig, Bildungsziele nicht zu ideologisieren — stattdessen brauche es pragmatische Lösungen, wie sie etwa in Ländern mit starker beruflicher Bildung zunehmend erfolgreich erprobt werden.
Insgesamt plädiert Stern für realistischere Erwartungen an Schulen und Eltern. Politik und Gesellschaft müssten anerkennen, dass nicht jede Schülerin und jeder Schüler ein Hochschulstudium benötigt, und stattdessen Wege öffnen, die sowohl individuell sinnvoll als auch wirtschaftlich nützlich sind.