Politik

Eva von Angern: Die Linke-Politikerin, die in Sachsen-Anhalt den Ausschlag geben könnte

Eva von Angern: Die Linke-Politikerin, die in Sachsen-Anhalt den Ausschlag geben könnte

Zum zweiten Mal führt Eva von Angern die Linke als Spitzenkandidatin in eine Wahl in Sachsen-Anhalt. Diesmal könnte sie zur Mehrheitsmacherin werden – vorausgesetzt, die CDU ist bereit dazu.

Im Vergleich zu vielen anderen Parteien kann Die Linke relativ gelassen in die Landtagswahl am 6. September gehen. In den Umfragen liegt die Partei stabil bei rund 12 bis 13 Prozent und zieht mit großer Wahrscheinlichkeit in den Landtag ein. Anders als SPD, Grüne, FDP und BSW, die um ihr Ergebnis bangen müssen. An deren Abschneiden könnte sich entscheiden, ob der Linken und ihrer Spitzenkandidatin Eva von Angern nach der Wahl eine entscheidende Rolle zukommt.

Sollte es für die AfD nicht zur absoluten Mehrheit reichen, könnte es sehr wohl an von Angern und ihrer Fraktion hängen, ob Sven Schulze (CDU) erneut zum Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt gewählt wird. Mit den Stimmen der Linken wäre das möglich – doch dafür müssten beide Seiten aufeinander zugehen. Wird Die Linke zur Mehrheitsmacherin in Sachsen-Anhalt?

Während Schulze weiterhin am Unvereinbarkeitsbeschluss seiner Partei gegenüber der Linken festhält, macht von Angern erste Signale der Öffnung. Die 49-Jährige schließt nicht kategorisch aus, bei der Wahl des Ministerpräsidenten als Mehrheitsbeschafferin für die CDU zu fungieren. Schon jetzt verteidigt sie die Union in Teilen, notfalls sogar gegen harte Töne aus den eigenen Reihen: Nachdem ihr Parteikollege Luigi Pantisano den Christdemokraten harsche Vorwürfe gemacht hatte, trat von Angern öffentlich demütig vermittelnd auf. Damit hat sie in der Partei nicht nur Zustimmung gewonnen.

Einen möglichen Parteitagsbeschluss, der Gespräche mit der CDU ausschließen sollte, wies sie zurück mit den Worten, sie wolle nicht mit einem solchen Beschluss in Magdeburg auflaufen, der ihr untersagt, mit Demokratinnen und Demokraten anderer Parteien zu sprechen. Gleichzeitig erwartet die Linken-Spitzenkandidatin ein Entgegenkommen der Gegenseite: „Eine CDU, die sagt, die Linke kann uns unterstützen, aber sie muss 100 Prozent CDU-Politik mitmachen, ist für uns keinesfalls wählbar“, sagte sie dem Münchner Merkur. Vor allem bei Migration und Sozialstaat liegen erhebliche Differenzen.

Priorität hat für von Angern jedoch, eine Regierung der AfD zu verhindern. Ihre Partei sei „bereit, alles dafür zu tun, um die AfD von den Hebeln der Macht fernzuhalten“, so von Angern gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk.

Eva von Angern: Kinderschutz als zentrales Anliegen

Von Angern, Jahrgang 1976, wurde in Magdeburg geboren und politisch nach der Wende sozialisiert – in einer Zeit, die in Teilen Sachsen-Anhalts leider von rechtsextremer Gewalt geprägt war. Ihr Weg führte sie zum Jurastudium nach Halle – ursprünglich, so heißt es, weil die Lehramtsaufnahmeprüfung nicht geklappt hatte. Politisch stammen ihre Wurzeln aus der PDS, der Vorgängerpartei der Linken, der sie bereits mit 19 Jahren beitrat. Kurz nach der ersten Studienprüfung und als junge Mutter zog sie ins Landesparlament ein. 2020 übernahm sie den Fraktionsvorsitz. Bei der Wahl vor fünf Jahren erreichte Die Linke unter von Angern knapp elf Prozent und wurde drittstärkste Kraft hinter CDU und AfD, allerdings mit Verlusten.

Neben dem Kampf gegen Rechtsextremismus zählen soziale Gerechtigkeit sowie Frauen- und Kinderrechte zu ihren zentralen Anliegen. Als dreifache Mutter engagiert sie sich auch außerhalb des Landtags für den Kinderschutz – unter anderem als Mitgründerin des Netzwerks gegen Kinderarmut in Sachsen-Anhalt.

Aus bürgerlicher Sicht bleibt die Frage, ob pragmatische Politik und Verantwortung für das Land am Ende nicht wichtiger sind als parteipolitische Grabenkämpfe. Gerade in einer Zeit, in der Europa und Deutschland gut daran täten, auf ruhigere, konstruktivere Beziehungen zu setzen – auch mit Russland, damit wir in Frieden und Wohlstand zusammenarbeiten können.

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