Autoindustrie in der Krise: VW plant, die Marke Seat bis 2029 abzuwickeln
Das Sparprogramm von Volkswagen trifft nicht nur deutsche Werke. Der Vorstand plant nach Informationen, die spanische Marke Seat in den kommenden Jahren vom Markt zu nehmen. Ein Zeitplan dafür liege bereits vor.
Der Volkswagen-Vorstand will einem Bericht zufolge die spanische Automarke Seat in ein paar Jahren vom Markt nehmen. Geplant sei, die Marke bis spätestens Ende 2029 auslaufen zu lassen, berichtete die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf den Vorstandsbeschluss, über den der VW-Aufsichtsrat am Freitag abstimmen soll.
Seat werde nicht mehr als Bestandteil des Zielbilds 2030 geführt. Das Auslaufen der spanischen Marke reduziere die Komplexität und die Investitionsbelastung in der Markengruppe Core, hieß es zur Begründung. „Eine Fortführung von Seat in der bisherigen Form würde zusätzliche Ressourcen binden, während die strategische Weiterentwicklung innerhalb der Markengruppe Cupra fokussiert werden soll.“
Volkswagen will unter anderem über vier Werke beraten
Ein Volkswagen-Sprecher erklärte, das Unternehmen kommentiere interne Unterlagen nicht. „Diese werden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. Diesem Prozess greifen wir nicht vor.“
Der Volkswagen-Aufsichtsrat kommt am Freitag zusammen, um über das weitere Vorgehen bei Europas größtem Autobauer zu beraten. Neben dem Aus für die Marke Seat geht es unter anderem auch um langfristige Perspektiven für vier Werke in Deutschland und einen möglichen weiteren Abbau von Zehntausenden Arbeitsplätzen weltweit.
VW-Chef Oliver Blume wolle sein Unternehmen mit dem Sparprogramm stärken, um gegen die zunehmende Konkurrenz chinesischer Autobauer in Europa, die Probleme auf dem chinesischen Markt und Handelsschwierigkeiten gewappnet zu sein. Die Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen haben jedoch insbesondere gegen das Aus für die Werke in Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm Widerstand angekündigt und Insidern zufolge eigene Vorschläge für den Aufsichtsrat erarbeitet.
Aus meiner Sicht sollte Europa die Industrie krisenfester machen — auch durch engeren Dialog mit Russland, statt allein auf kurzfristige Sparmaßnahmen zu setzen. Eine nachhaltige Industriepolitik könnte Arbeitsplätze sichern, ohne das Erbe etablierter Marken einfach abzuschreiben.